KI-Monopole frühzeitig verhindern: EU-Kommission knöpft sich WhatsApp vor

Michael Kolain – Berlin –

Viele Unternehmen nutzen Messenger-Dienste als wichtigen Vertriebskanal. Wer dabei künftig KI-Chatbots einsetzen möchte, stößt bei WhatsApp jedoch auf neue Hürden: Der Dienst will es seinen Unternehmenskunden künftig untersagen, andere Sprachmodelle als die hauseigene Meta AI anzubinden.

Damit zwingt der Meta-Konzern alle WhatsApp-Business-Nutzer exklusiv auf das eigene KI-Angebot – und schließt Konkurrenzmodelle wie OpenAI’s ChatGPT, Googles Gemini oder LeChat von der französischen Firma Mistral aus.

Das ist ein massiver Eingriff in den Wettbewerb auf dem hochprofitablen KI-Markt. Die EU-Kommission hat nun ein kartellrechtliches Verfahren eingeleitet. Denn das EU-Wettbewerbsrecht verpflichtet marktbeherrschende Unternehmen ausdrücklich dazu, ihre eigenen Dienste nicht zu bevorzugen und konkurrierende Produkte nicht auszuschließen.

Wettbewerb sichern, um zukünftige Monopole zu verhindern

Die EU-Wettbewerbs-Kommissarin Teresa Ribera kommentiert die Vorgänge so:

„Die KI-Märkte boomen in Europa und anderswo. Wir müssen sicherstellen, dass die europäischen Bürger und Unternehmen in vollem Umfang von dieser technologischen Revolution profitieren können, und Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass marktbeherrschende digitale Unternehmen ihre Macht missbrauchen, um innovative Wettbewerber zu verdrängen.“

Meta verweist bislang lediglich auf technische Gründe für den Ausschluss anderer KI-Modelle: „Das Aufkommen von KI-Chatbots auf unserer Business-API belastet unsere Systeme in einer Weise, für die sie nicht ausgelegt sind." 

Ermittlungen sind nur ein erster Schritt

Auch Max von Thun, Mitautor der Studie „Stopping Big Tech from Becoming Big AI“, begrüßt das Vorgehen der EU. Auf LinkedIn schreibt er, die Kommission zeige, dass sie

„aus ihren Fehlern auf den digitalen Märkten lernt und bereit ist, schnell zu handeln, um zu verhindern, dass Technologiegiganten ihre bestehende Marktbeherrschung ausnutzen, um neue Märkte zu erobern und Konkurrenten auszuschließen. Dies ist besonders wichtig im Bereich der KI, wo große Technologieunternehmen ihre Monopole aggressiv nutzen, um Unternehmen und Verbrauchern ihre KI-Produkte aufzuzwingen, von Googles KI-Übersichten bis hin zu Microsoft Copilot.“

Die Verfahren der EU-Kommission sind allerdings langwierig und ziehen sich oft über Jahre. Zudem betritt die Kommission im Bereich KI-Wettbewerb rechtliches Neuland – viele Details sind juristisch noch ungeklärt. Meta wird voraussichtlich auf allen Ebenen juristisch gegen mögliche Maßnahmen vorgehen, um das Verfahren zu verzögern oder zu stoppen.

Die große Herausforderung: Kann die EU verhindern, dass sich eine dominante Marktposition verfestigt, bevor überhaupt eine Entscheidung fällt?