Mit mehr Abhängigkeit in die digitale Unabhängigkeit. Das ist offenbar die neue Strategie der Bundesregierung.
Klingt absurd? Ist es auch.
Die Erzählung geht so: Wenn die großen US-Konzerne nur genug Rechenzentren bei uns bauen, sind wir so eng mit den USA verwoben, dass uns nichts passieren kann. Also rollte die Bundesregierung beim Investorengipfel für Nvidia und Amazon den roten Teppich aus. Also sollen BND, Verfassungsschutz und MAD ihre Geheimnisse künftig über Google-Cloud-Software teilen. Was auch schon die Bundeswehr macht. Natürlich unter eigener Kontrolle. Dass man über den Update-Weg erpressbar bleibt, ist da geschenkt.
Allein der Bund überweist inzwischen fast eine halbe Milliarde Euro im Jahr an Microsoft. Nur für Lizenzen. In Alternativen wird ein kleiner zweistelliger Millionenbetrag investiert.
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Digitale Souveränität funktioniert in Deutschland wie mit dem Rauchen aufhören. Man will ja. Nur nicht heute. Konkret bedeutet das: Es findet sich immer ein pragmatischer Grund, doch noch bei den Big-Tech-Monopolisten zu bleiben. Den Wechsel peilt man langfristig an. Ein Jahr später gibt es den pragmatischen Grund wieder. Nur die Abhängigkeit ist nochmal gewachsen.
Das alles erinnert mich an 2013.
Die Snowden-Enthüllungen zeigten uns, dass US-Konzerne der NSA Zugriff auf unsere Daten gewähren müssen. Kurz wurde ernsthaft über eigene Chips und vertrauenswürdige Infrastruktur ohne Hintertüren diskutiert. Dann kam raus, dass auch Merkels Handy abgehört wurde. Obama versprach, das komme nicht wieder vor.
Alle atmeten auf. Und lehnten sich zurück.
Dann kamen Brexit und Trump 1. Man müsste mal was tun. Aber das ist anstrengend. Und die Amerikaner sind doch unsere Freunde. 2018 kam der CLOUD Act dazu. Die Abhängigkeit wuchs weiter, zu den Plattformen kamen die Clouds.
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Nach Trump 1 atmeten alle auf. Es war geschafft. Bis dann am Anfang von Trump 2 die Tech-Oligrachen bei der Amtseinführung hinter ihm standen. Kurz waren viele motiviert. Aber dann war die Motivation schnell verpufft und es würde ja sicher nicht schlimm werden.
Im Juni dieses Jahres waren die KI-Modelle Mythos und Fable wegen US-Exportkontrollen plötzlich nicht mehr verfügbar. Ende Juni wurden die Kontrollen wieder aufgehoben.
Alle atmeten auf. Und lehnten sich zurück.
Das Muster ist immer gleich. Erst der Schock, dann das Aufatmen. Und jedes Mal sind wir ein Stück abhängiger als vorher – und Abhängigkeit macht erpressbar.
Dabei hätte die Bundesregierung den größten Hebel selbst in der Hand. Der Staat ist der größte IT-Kunde des Landes. Wer als Ankerkunde verlässlich bei europäischen und Open-Source-Anbietern bestellt, schafft den Markt für Alternativen. Stattdessen fließt das Geld weiter in die USA. 264 Milliarden für IT-Dienstleistungen werden aus der EU jedes Jahr in die USA überwiesen. Über 700 Millionen Euro überweist alleine der Bund für Softwarelizenzen. In Alternativen wird ein Bruchteil investiert.
Das Zeitfenster für echten Wandel schließt sich gerade wieder. Ich fürchte, beim nächsten Schock atmet keiner mehr auf.
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