Die Big Tech Lobbylandkarte Deutschland

Einflussnahme und Netzwerke besser verstehen

Joris Leander Kanowski – Berlin –

Die Big Tech Lobbylandkarte macht sichtbar, in welchem weiten Netz aus Organisationen Big Tech in Deutschland politisch Einfluss nimmt. Unter lobbylandkarte.digitalrechte.de könnt ihr die Daten selbst erkunden. Alle Informationen stammen aus dem Lobbyregister. Wir haben sie nur neu visualisiert.

Viele Menschen fragen sich, warum sich die Interessen von Big Tech politisch immer wieder durchsetzen. Ein Teil der Antwort ist Lobbying. Aber Lobbying funktioniert anders, als man denkt. Es geht nicht um Geldkoffer, sondern um Netzwerke, Nähe, Expertise und Beeinflussung von Debatten. Und darin ist Big Tech aktuell am besten.

Die Bedeutung von Lobbynetzwerken

Big Tech Unternehmen beauftragen nicht nur Lobby-Agenturen, sie sind auch Mitglied von fast jedem Wirtschaftsverband und Lobbyverein, der in der Digitalpolitik aktiv ist. Es wäre falsch zu denken, dass diese Verbände und Vereine 1-zu-1 die Interessen von Big Tech vertreten. Sie haben schließlich auch viele andere Mitgliedsunternehmen. Aber was Big Tech durch eine Mitgliedschaft meistens erreicht: Politische Forderungen blockieren, die ihnen wirklich weh tun würden. Zum Beispiel für konsequenten Verbraucherschutz, mehr digitale Souveränität oder faire Besteuerung und Wettbewerbsbedingungen.

Big Tech Lobbying ist ein strukturelles Problem

Die politische und wirtschaftliche Macht von Big Tech fordert die Gewaltenteilung heraus. Einzelne Unternehmen haben genug Ressourcen, um alle politischen Institutionen konstant zu bearbeiten. Die Legislative, die Exekutive, die Judikative und auch die Öffentlichkeit.

Allein die Big Five, also Google, Microsoft, Amazon (inkl. Amazon Web Services), Apple und Meta haben laut Selbstangaben im Geschäftsjahr 2024 auf bundespolitischer Ebene 7,17 Millionen € ausgegeben und 52 Personen beschäftigt. Die tatsächliche Zahl konnte noch höher liegen, weil die Anforderungen des Lobbyregisters nicht von allen Unternehmen gleich interpretiert werden.

Microsoft listet im Deutschen Lobbyregister insgesamt 50 Mitgliedschaften in Organisationen, Google immerhin 28. Das bedeutet: Fast egal, wo und wann in Berlin ein digitalpolitisches Thema diskutiert wird, ist Big Tech in irgendeiner Form mit dabei.

Lobbying ist legal und normal. Wahr ist aber auch: Wenn einzelne Unternehmen zu mächtig werden, entstehen strukturelle Probleme. Ihr politischer Ressourcenvorteil erhält einen Status Quo, der nicht unseren Interessen entspricht. Wir sind in einer technologischen Abhängigkeit von einzelnen Monopolisten, die teuer ist – politisch und wirtschaftlich. Wegen ihr stößt die demokratische Kontrolle an Grenzen und es ist schwer, geltende Gesetze und die Interessen von Nutzenden durchzusetzen. Europäische Alternativen bleiben im Wettbewerb oft chancenlos und Kunden haben wenig Wahlfreiheit.

So sind wir methodisch vorgegangen

Alle Daten basieren auf öffentlichen Selbstangaben der Organisationen im Deutschen Lobbyregister. Wir liefern dafür nur eine bessere Visualisierung. Letzter Stichtag unserer Auswertung ist der 04.05.2026. Angaben zu Budgets beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2024. Die Kreisgröße orientiert sich an der Größe des Budgets. Im Juli machen wir das nächste Update.

Eintragungspflichtig im Lobbyregister sind Organisationen, die Interessenvertretung betreiben und mit dem Ziel der Beeinflussung von Gesetzen Kontakt mit Mitarbeitenden der Bundesregierung oder des Bundestages aufnehmen. Die Korrektheit der Angaben lässt sich unabhängig kaum überprüfen. Und wirklich spannende Infos - zum Beispiel wer wann wen trifft - werden gar nicht erst erfasst. Auch sind nicht alle relevanten Big Tech Firmen im Lobbyregister eingetragen. Ein Beispiel: X fehlt.

Wir haben bewusst eine kleine Auswahl getroffen, um auf das strukturelle Problem von Big Tech hinzuweisen. Wir haben die sogenannten „Big Five“ (Google, Microsoft, Meta, Apple, Amazon) aufgenommen, ergänzt um Tiktok und Palantir, deren Produkte besonders kontrovers diskutiert werden. Selbstverständlich gibt es deutlich mehr Tech-Unternehmen, die in Deutschland Lobbying betreiben.

Die Big Tech Lobbylandkarte bildet nur die Spitze des Eisbergs der Einflussnahme ab

Die Big Tech Lobbylandkarte trifft Aussagen über das Verhältnis von Organisationen zueinander. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der tatsächlichen Einflussnahme – das ist uns bewusst. Aber es ist ein Anfang.

Wann Gespräche stattfinden, mit welchen Kanzleien und PR-Agenturen Big Tech zusammenarbeitet und wie es seine Produkte an Ministerien und Behörden verkauft – all das ist überwiegend geheim. Mit mehr Ressourcen und Hinweisen können wir aber auch das aufdecken. 

Veränderungen beginnen mit einer ehrlichen Analyse. Big Tech ist in Deutschland politisch bestens vernetzt und wirksam. Die kritische Öffentlichkeit ist es nicht. Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie arbeitet genau daran: Macht-Zusammenhänge verständlich machen und so Gegenstrategien und neue Allianzen ermöglichen. Die Big Tech Lobbylandkarte ist nur der Anfang.

Gegen Big Tech. Für Dich.

Du willst nicht, dass wenige Unternehmen entscheiden, wie dein digitales Leben aussieht? Mit deiner Spende hilfst du, den Einfluss von Big Tech zurückzudrängen. Mit mehr Ressourcen können auch wir mehr unternehmen. Zum Beispiel wollen wir aufdecken, mit welchen Großkanzleien Big Tech in Deutschland zusammenarbeitet.