Ein Konsortium rund um den Oracle-Gründer und Trump-Unterstützer Larry Ellison übernimmt im Januar 80% der Anteile von TikTok in den USA. Der Deal sieht vor, dass die Plattform künftig mehrheitlich von US-Investoren kontrolliert wird.
Der chinesische Mutterkonzern ByteDance behält eine Minderheitsbeteiligung (50% der Erlöse, 20% Anteil und einen Sitz im Aufsichtsrat) und lizenziert dem neuen Unternehmen den TikTok-Algorithmus. Die operative Kontrolle über Nutzerdaten soll vollständig in die USA übergehen.
Wer genau kauft nun TikTok?
Larry Ellison ist der zweitreichste Mensch der Welt undTech-Unternehmer der ersten Stunde. Oracle liefert wichtige Bestandteile für KI Rechenzentren sowie für Überwachungstechnologie der US-Sicherheitsbehörden CIA und NSA. Sein Sohn David kontrolliert zudem den Medienkonzern Paramount Skydance.
Marc Andreessen ist Mitbegründer des Risikokapitalfonds Andreessen Horowitz (a16z) und hat früh große Anteile an einer Reihe von Tech-Firmen gekauft, darunter Facebook, Twitter, Pinterest und Skype.
Darüber hinaus sind Michael Dell, Gründer und CEO des PC-Herstellers Dell, die Beteiligungsfirma Silver Lake sowie die staatliche Investmentgesellschaft MGX des Herrscherfamilie aus Abu Dhabi in den Kauf involviert. MGX hält auch Anteile an der Kryptofirma der Trump-Familie
Warum ist diese amerikanische Übernahme von TikTok so gefährlich?
Neben einem enormen Einfluss auf die politische Meinungsbildung - sowohl in den USA, aber auch international - eint die Investoren die politische Nähe zu Donald Trump.
Dass dieses Konsortium nun die letzte große Social Media Plattform übernimmt, die nicht in US-amerikanischem Besitz war, stellt einen entscheidenden Schritt in Richtung digitaler Gleichschaltung dar.
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Schon jetzt dominieren wenige US-Milliardäre den globalen Medienmarkt. Mark Zuckerberg kontrolliert das Meta-Universium mit Instagram, Whatsapp, Facebook und Co - und hat in Trumps zweiter Amtszeit ebenfalls die Nähe zum Präsidenten gesucht.
Elon Musk hat Twitter nach seinen Vorstellungen zu X umgebaut. Musk unterstützte Trumps Wahlkampf 2024 nicht nur finanziell, sondern nutzte seine Plattform X auch, um Falschbehauptungen zu verbreiten und für Trump als Präsidenten zu werben.
Damit konzentriert sich die Macht über digitale Informationsräume auf ein kleines, politisch homogenes Netzwerk einflussreicher Unternehmer. Plattformen wie Bluesky und Mastodon bieten zwar Alternativen, sind mit 15 bis 25 Millionen Nutzenden bislang aber keine Konkurrenz zum Meta-Universum mit über 3 Milliarden tägliche Nutzenden.
Die digital-mediale Gleichschaltung in den USA schreitet voran
Offiziell begründet die US-Regierung den Kauf damit, dass die die Datenweitergabe von US-amerikanischen Nutzende an die chinesische Regierung eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstelle.
Dieses Argument nutzte bereits die Biden-Regierung, um ein TikTok-Verbot zu rechtfertigen. Dies war aber weder der einzige, noch der wichtigste Grund für den Deal.
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TikTok ist ein Schlüsselakteur im globalen Kampf um digitale Vorherrschaft, Datenhoheit und Marktmacht. Mit bis zu 170 Millionen Nutzenden in den USA hat die Plattform einen großen Einfluss auf öffentliche Debatten. Ellisson, Andreessen und Co könnten TikTok nutzen, um Stimmung und Diskurse zu beeinflussen.
Gelingt es den rechtskonservativen neuen Eigentürmern, TikTok als Instrument zur Steuerung der öffentlichen Meinung einzusetzen, dann können die MAGA Bewegung und die republikanische Partei ihre Macht weiter stabilisieren.
Trump selbst kommentierte die Bedenken mit den Worten: „Wenn ich es zu 100 Prozent MAGA machen könnte, würde ich es tun. Aber leider wird das nicht funktionieren.“
Ob 100 Prozent oder weniger - mehr MAGA Content als vorher wird es sein.
Wer die Algorithmen kontrolliert, kontrolliert, was sichtbar ist
Es ist bereits bekannt, dass der TikTok-Algorithmus, der über den Erfolg eines Videos entscheidet, nicht neutral arbeitet. Während rechte und rechtspopulistische Beiträge – darunter auch solche der AfD – überdurchschnittlich häufig im Empfohlen-Feed erscheinen, werden andere Stimmen systematisch benachteiligt (ISD, 2025; Klimpe, 2022).
Insbesondere Inhalte von queeren Personen, Menschen mit Behinderung oder Creators of Color erreichen laut Recherchen deutlich weniger Nutzer:innen und verbreiten sich oft kaum über die eigenen Follower:innen hinaus. Interne Dokumente, über die The Intercept 2020 berichtete, legen nahe, dass Moderator*innen explizit angewiesen wurden, bestimmte Gruppen in ihrer Sichtbarkeit einzuschränken.
Ob sich diese Praktiken durch die US-amerikanische Übernahme grundlegend ändern, ist ungewiss. Geplant ist erst einmal, dass die USA eine lizenzierte Form des Empfehlungsalgorithmus erhält, die Kontrolle über den Quellcode aber in China bleibt. Den Zugang zu den Daten der Nutzerinnen und Nutzer in den USA gibt China mit dem Deal aber offiziell ab.
Was bedeutet das für europäische Nutzende?
Da das US-amerikanische Konsortium zunächst nur der US-Markt bespielt, wird sich für deutsche und europäische Nutzer:innen zunächst nicht viel ändern. Sie bleiben weiterhin auf der chinesischen Plattform. Ob ByteDance den TikTok-Algorithmus nach dem Verkauf für den Markt außerhalb China und der USA verändern wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt Spekulation.
Weder eine amerikanische, noch eine chinesisch kontrollierte Social Media Plattform ist im Interesse der europäischen Nutzenden. Umso wichtiger ist es, dass die EU und ihre Mitgliedsländer TikTok zur Befolgung des Digital Services Acts zwingen. Auch muss verhindert werden, dass ausländische Sicherheitsbehörden auf die Daten der Nutzer*innen zugreifen, wie es aktuell sowohl die USA als auch China tun könnten.
Unsere Einschätzung:
Der #TikTokDeal ist Ausdruck einer medialen Gleichschaltung. Einer „unholy alliance“ zwischen Tech Oligarchen und den Zentren der Macht. Die EU sollte ihre demokratischen Kräfte aktivieren, und den Auswüchsen einer Technokratie mit rechtsstaatlichen Mitteln begegnen.
Mit DSA, DMA, DSGVO und Co steht die passende regulatorische Palette parat. Die Europäische Union muss sie engagiert und konsequent durchsetzen. Wir müssen heute aber auch Alternativen fördern, damit wir Morgen mehr Wahlfreiheit haben.
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