Raus aus der Big-Tech-Falle

Alternativen zu Google, Whatsapp, Microsoft & Co.

Nadia Nadesan & Digit · Betterimagesofai CC BY

Überblick

Wenige große Technologie-Konzerne beherrschen unser Leben. Die neuen Blumentöpfe sind nur einen Amazon-Klick entfernt und stehen 24 Stunden später vor der Haustür. Freund:innen, Arbeitskolleg:innen und sogar die eigene Oma erreicht man am besten per WhatsApp. Selbst Arzttermine lassen sich über den Messenger-Dienst von Meta ausmachen. 

Die Antwort auf die Frage, wie der Lieblingsfußballclub gespielt hat, lässt sich schnell „googeln“. Darüber hinaus bietet Google ein eigenes Cloud-System an und hat mit Google Maps, die  beliebteste Geo-App auf dem Markt. Der Clou: All diese Dienste lassen sich am besten bedienen, wenn man den hauseigenen Mail-Service Gmail nutzt. Den bekommt man mit dem Android-Betriebssystem von Google auf dem Smartphone gleich mit.

Die meisten von uns vertrauen Google, Meta, Microsoft und Co. beinahe alle Aspekte unseres Lebens an. Durch die Verknüpfung vieler verschiedener Dienste hält Google, ähnlich wie Microsoft und Apple, Nutzer:innen in einem fast geschlossenen System. Programme anderer Anbieter sind nur teilweise kompatibel, ein Wechsel ist oft aufwändig.

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Der Begriff „Big Tech“ setzt Fokus auf Abhängigkeit und Machtkonzentration 

Diese Technologieunternehmen werden als „Big Tech“ bezeichnet. Der Begriff verweist auf die enorme Marktmacht, die finanzielle Stärke und den gesellschaftlichen Einfluss der Konzerne. Sie kontrollieren zentrale Zugänge zur digitalen Öffentlichkeit und Infrastruktur, zu Kommunikations- und Arbeitsdiensten. Damit entscheiden einige wenige, private Konzerne maßgeblich darüber, wer teilhaben darf, welche Informationen präsentiert werden und welche sensiblen Informationen Nutzer:innen preisgeben müssen.

Dass sie ihre Macht nutzen, um fleißig unseren digitalen Fußspuren zu folgen, Informationen über uns zu sammeln und personenbezogene Daten zu speichern, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Dass sie dabei Datenschutzgesetze und Verbraucherrechte verletzen, auch nicht. Hinzu kommt die politische Nähe zur Trump-Regierung und zu Ideologien von Rechtsaußen.

Höchste Zeit also, Big Tech den Rücken zu kehren und digital souveräner zu werden. Der Wechsel ist nicht nur eine Frage von Datenschutz, sondern auch ein Schritt Richtung digitale Selbstbestimmung. Doch geht das überhaupt? Und welche Dienste sollte man stattdessen nutzen? Wir haben eine Auswahl an Alternativen zusammengestellt.

[[Messenger:]] Messenger: Signal und Threema statt WhatsApp

WhatsApp ist Teil des Meta-Konzerns von Mark Zuckerberg. Nachrichten sind verschlüsselt, Meta kann die Chat-Inhalte also nicht sehen. Das Unternehmen fängt allerdings Metadaten ein und weiß dadurch, wer und wo man ist und wann oder wie lange man mit anderen Personen kommuniziert. Diese Daten sind aufschlussreicher als man denkt. Sie können Rückschlüsse auf soziale Beziehungen, Gewohnheiten, Aufenthaltsorte, politische oder berufliche Netzwerke und private Lebenssituationen ermöglichen. Auf Chats mit der hauseigenen „Meta KI“ kann das Unternehmen ebenfalls zugreifen. Meta kündigte an, diese Inhalte zum Training der KI zu verwenden.

Was sind gute Alternativen?

Gut erprobte Alternativen zu WhatsApp sind Signal und Threema. Beide Dienste sind verschlüsselt und der Quellcode ist Open Source. Das bedeutet, dass der Programmcode öffentlich einsehbar ist. Unabhängige Expert:innen können so überprüfen, ob der Dienst hält, was er verspricht.

Signal kommt zwar aus den USA, gehört aber einer gemeinnützigen Stiftung. Signal nutzt Server von Amazon und Google, durch die Verschlüsselung können Amazon und Google aber nicht auf die Daten zugreifen. Signal selbst sammelt keine Metadaten. Der Dienst ist neben hohen Standards bei Datenschutz und Privatsphäre auch für seine Datensparsamkeit bekannt. Etwa 14 Prozent der Deutschen nutzen Signal, Tendenz steigend. es gibt sowohl eine App als auch eine Desktop-Version und es sind verschlüsselte Video und Audio-Chats mit vielen Teilnehmer:innen möglich.

Threema lässt sich zum Beispiel auch ohne Telefonnummer nutzen. Deshalb gilt es als noch vertrauenswürdiger. Der Umstieg ist allerdings mühsamer, denn ohne Nummer lassen sich bereits bestehende Kontakte, die den Dienst nutzen, schwer finden. Threema kommt aus der Schweiz und ist in Deutschland noch relativ unbekannt. 2023 nutzten ihn laut Bundesnetzagentur nur fünf Prozent. Das kann unter anderem daran liegen, dass die App einmalig zwischen 5 und 6 Euro kostet.

Was sind schlechte Alternativen?

Weniger ratsam ist ein Umstieg auf auf iMessages (Apple) oder Google Messages (Android). iMessage und Google Messages sammeln ebenfalls Metadaten. Google nutzt diese Daten für Werbezwecke.

Auch die Messenger-App Telegram ist keine gute Alternative und aus Sicht der Redaktion weniger vertrauenswürdig als Meta. Telegram ist nicht standardmäßig verschlüsselt und kann auf Nachrichteninhalte zugreifen. Generell verhält sich Telegram auffällig intransparent. Das Bundesamt für Justiz verhängte 2022 Bußgelder in Höhe von 5,125 Millionen Euro, unter anderem weil Telegram keine gesetzeskonformen Meldewege für strafbare Inhalte und keine ladungsfähige Anschrift in Deutschland bereitgestellt hatte. Nutzer:innen können auf der Plattform Verschwörungserzählungen und rechtswidrige Inhalte weitgehend unreguliert verbreiten. Immer wieder kamen ganze Gruppen ans Licht, in denen sich über sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder ausgetauscht wird. Pawel Durow, der Eigentümer der Plattform, sieht dabei nicht nur tatenlos zu, sondern verteidigt dies als Meinungsfreiheit.

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Während Meta zu Recht scharf kritisiert wird, steht der Meta-Dienst Whatsapp in der EU immerhin unter starker Aufsicht durch den Digital Services Act. Telegram gab 2024 an, 41 Millionen Nutzer:innen in der EU zu haben. Online-Plattformen mit mehr als 45 Millionen Nutzer:innen unterstehen der direkten Aufsicht der EU-Kommission und müssen strengere Transparenz- und Moderationspflichten erfüllen.

Forscher:innen und Aufsichtsbehörden vermuten, dass Telegram seine Nutzerzahlen bewusst niedrig hält. Laut einer Analyse des Tech-Magazins Wired kommt Telegram auf mindestens 50 Millionen europäische Nutzer:innen. Auch Recherchen von Follow the Money legen offen, dass Telegram bewusst versucht, eine Einstufung als sehr große Online-Plattform zu verhindern, um Regulierung zu entgehen.

Mögliche Hürden bei der Umstellung

Whatsapp ist einer der meistgenutzten Messenger-Dienste. Das macht es schwer, komplett darauf zu verzichten. Um den Umstieg einfacher zu machen, bietet es sich an, als Freundes- oder Familiengruppe zu wechseln. So nimmt man die wichtigsten Kontakte mit und kann sich gemeinsam auf die neue App gewöhnen

[[Suchmaschine:]] Suchmaschine: Ecosia oder Startpage statt Google

Was eine Person im Netz sucht, verrät enorm viel über sie. Suchmaschinen wie Google und Bing (Microsoft) erfassen, wo jemand wohnt, wohin jemand verreist, was eine Person gerne isst oder zu welchen Ärzt:innen sie geht und welche gesundheitlichen Beschwerden sie potentiell hat. Mit diesem Wissen erstellen Google und Microsoft ein detailliertes Profil einer Person und platzieren (personalisierte) Werbung bei Suchanfragen. Google hat 2025 mit Werbung bei Google-Suchen und bei Diensten wie Google Maps und Gmail rund 224 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht. Der gesamte Umsatz von Google betrug circa 400 Milliarden US-Dollar.

Die Suche funktioniert vor allem deshalb so gut, weil Milliarden Menschen täglich Google nutzen. Jede Suchanfrage liefert neue Signale darüber, was Menschen suchen, anklicken und relevant finden. Dadurch kann das Unternehmen seine Dienste immer weiter verbessern. Für kleinere Suchmaschinen entsteht so ein Kreislauf, durch den sie nur schwer in den Markt reinkommen. Wer gelegentlich andere Suchmaschinen nutzt, gibt ihnen deshalb nicht nur eine Chance, sondern hilft mit jeder Anfrage dabei, bessere Alternativen aufzubauen.

Was sind gute Alternativen?

Die aus Deutschland kommende Suchmaschine Ecosia möchte Online-Suchen möglichst nachhaltig gestalten. Bei jeder Anfrage sind die ersten Webseiten-Vorschläge sogenannte Affiliate-Links, also Werbung. Diese werden von Google und Microsoft bereitgestellt. Mit den Werbeeinnahmen deckt die Firma operative Kosten. Mit Überschüssen werden Projekte zum Pflanzen von Bäumen unterstützt. Bisher hat Ecosia über 250 Millionen Bäume in mehr als 35 Ländern gepflanzt. Suchanfragen und IP-Adressen werden für eine Woche gespeichert und dann gelöscht.

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Die niederländische Suchmaschine Startpage bezeichnet sich selbst als „sicherste Suchmaschine der Welt“. Sie sendet Suchanfragen anonymisiert an Google weiter. Außerdem erfasst sie keine IP-Adressen von Nutzer:innen und verwendet auch keine Cookies. Startpage setzt auf kontextbezogene Werbung, Anzeigen basieren also auf dem Suchbegriff nicht auf persönlichen Daten.

Weil die genannten Alternativen kaum Daten über Nutzer:innen sammeln, reichen die  Suchergebnisse nicht an die (über die Zeit) personalisierten Ergebnisse einer Google-Suche heran. Für die meisten Suchanfragen im Alltag braucht es das aber auch nicht.

[[Browser:]] Browser: Firefox statt Google Chrome

Ähnlich wie Suchmaschinen wissen auch Browser viel über ihre Nutzer:innen. Browser sind Programme, um Webseiten zu öffnen. Anbieter wie Google Chrome, Microsoft Edge und Safari von Apple erfassen, welche Seiten besucht werden, wie lange Nutzer:innen dort verweilen und worauf sie auf dieser Seite klicken. Google erlaubt es auch Dritten, Nutzer:innen bei der Online-Suche zu beobachten.

Google Chrome ist mit knapp 70 Prozent Marktanteil auf dem Desktop der mit Abstand meistgenutzte Browser weltweit, in Deutschland liegt der Anteil bei rund 51 Prozent. Viele Webseiten, Entwicklerwerkzeuge und Standards richten sich deshalb faktisch an Chrome aus. Das kann dazu führen, dass Seiten zwar in Chrome gut funktionieren, in Firefox, Safari oder kleineren Browsern aber schlechter. Bei einer solchen Marktmacht sinkt außerdem der Anreiz, Alternativen zu entwickeln.

Was sind gute Alternativen?

Eine sehr gute Open-Source-Alternative ist Firefox, entwickelt von der gemeinnützigen Organisation Mozilla. Nutzer:innen können viele Einstellungen nach ihren Wünschen anpassen. Wählt man die Option „Strikt“, werden Aktivitätenverfolgung, Tracker und schädliche Werbung blockiert. 

Neben Firefox können auch Chromium-basierte Browser eine gute Alternative zu Chrome sein. Chromium ist das Open-Source-Grundgerüst, auf dem Google Chrome aufbaut. Darauf basieren auch viele andere Browser wie Opera oder Vivaldi (beide aus der EU). Ecosia hat ebenfalls einen eigenen Chromium-basierten Browser. Sie sind ähnlich aufgebaut wie Chrome und funktionieren mit vielen Webseiten und Erweiterungen gut, sind aber nicht an Google gebunden.

Chromium-basierte Browser sind besser als Chrome, wenn man weniger Google im eigenen Browser will. Sie lösen aber nicht vollständig das Problem der fehlenden Browser-Vielfalt, weil sie weiterhin auf derselben technischen Grundlage wie Chrome beruhen.

Ein Tipp aus der Redaktion: Die Browser-Erweiterungen ublock Origin und Privacy Badger schützen vor Werbe-Tracking und funktionieren bei fast jedem Browser.

[[E-Mail:]] E-Mail: Posteo und Mailbox.org statt Gmail und Outlook

Im Mail-Postfach liegen oft Verträge, Rechnungen, Reisebuchungen, Kontakte und Kalenderdaten. Für Google (Gmail) und Microsoft (Outlook) ist das eine Goldgrube an persönlichen Informationen. Sie schützen Mails zwar vor Angriffen von außen, können aber selbst auf Mails zugreifen. Das schreibt Google auch in seiner Datenschutzerklärung: „Wir erfassen auch die Inhalte, die Sie bei der Nutzung unserer Dienste erstellen, hochladen oder von anderen erhalten. Dazu gehören beispielsweise E-Mails, die Sie schreiben.“ Die gesammelten Informationen nutzen Google und Microsoft unter anderem für Werbezwecke. Gmail-oder Outlook-Adressen mögen zwar kostenlos erscheinen, tatsächlich zahlt man aber mit persönlichen Informationen.

Was sind gute Alternativen?

Die deutschen Unternehmen Mailbox.org und Posteo.de bieten werbefreie Mail-Dienste mit offenen Standards, wenig Tracking und besseren Datenschutzfunktionen an. Posteo lässt sich außerdem gut mit dem Apple Kalender verbinden, schwieriger ist die Synchronisation mit Google. Ein weiterer Pluspunkt: Posteo und Mailbox.org nutzen nach eigenen Angaben Ökostrom.

Beide Mail-Dienste gibt es ab einem Euro pro Monat. Je nach Tarif sind bei Mailbox.org auch Kalender, Adressbuch, Office, Drive und das Video-Tool OpenTalk enthalten. Damit eignet sich Mailbox.org auch als Microsoft-365-Alternative.

Was sind schlechte Alternativen?

Dienste wie GMX.de, T-online.de oder WEB.de sind zwar deutsche Anbieter, die kostenlosen Angebote finanzieren sich allerdings auch über Werbe-Tracking. „Wir und unsere bis zu 266 Partner verarbeiten personenbezogene Daten“, darunter eingehende E-Mails und angehängte Dokumente, wie es in dem Consent-Banner und den Datenschutzhinweisen von GMX.de heißt. 

Mögliche Hürden bei der Umstellung

Die größte Hürde beim E-Mail-Wechsel ist nicht das neue Postfach, sondern die alte Adresse. Sie ist oft über Jahre zum zentralen Login für Banken, Behörden, Shops und private Kontakte geworden. Wichtige Mails im alten Postfach müssen entweder exportiert, in das neue Postfach übertragen oder lokal archiviert werden. Das kann dauern, besonders bei großen Postfächern.

All diese Dienste und Kontakte müssen über die neue E-Mail-Adresse informiert werden. Manche schreiben trotzdem jahrelang weiter an die alte Adresse. Deshalb sollte man das alte Konto nicht sofort löschen, sondern für eine Übergangszeit weiterlaufen lassen. Es ist auch sinnvoll, eine automatische Antwort einzurichten und wichtige Mail-Kontakte automatisch an die neue Adresse weiterzuleiten.

[[KI:]] KI-Chatbot: Mistral statt ChatGPT und Gemini

KI-Chatbots wie ChatGPT und Google Gemini sind für viele Menschen alltägliche Werkzeuge und Begleiter geworden. Sie formulieren ihre E-Mails mit ChatGPT, fragen bei Problemen um Rat und teilen intime Gedanken mit. Doch die bekanntesten Chatbots gehören großen US-amerikanischen Unternehmen. Die machen nicht transparent, wie ihre Technologie arbeitet und was genau mit den eingegebenen Informationen passiert. Fest steht aber, dass die meisten Anbieter Chatinhalte nutzen, um die KI weiter zu trainieren.

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Wenn vor allem die KI-Angebote einiger weniger großer Unternehmen genutzt werden, haben diese enormen Einfluss darauf, welche Informationen Nutzer:innen angezeigt bekommen. Außerdem speichern die Tech-Firmen Daten der Nutzer:innen auf US-Servern und unterliegen dem US-Cloud-Act. Der besagt, dass Unternehmen mit Geschäftstätigkeit im dem USA den US-Sicherheitsbehörden Zugang zu Informationen gewähren müssen, vor allem zu solchen ausländischer Nutzer:innen. Dabei kommt es nicht darauf an, wo das Rechenzentrum steht.

Was sind gute Alternativen?

Am sichersten sind Chatbots, die lokal auf dem eigenen Gerät laufen oder bei europäischen, datenschutzkonformen Anbietern. Lokal laufende Chatbots haben den Vorteil, dass die geteilten Informationen den Computer nicht verlassen. Sie brauchen aber leistungsstarke Arbeits- und Grafikspeicher. Viele normale Laptops sind dafür noch nicht ausgestattet.

Das französische Unternehmen Mistral hat mit „Le Chat“ ein eigenes Modell entwickelt. Mistral nutzt Chatinhalte standardmäßig zum Trainieren der KI, das lässt sich aber in den Einstellungen deaktivieren. Für technisch versierte Nutzer:innen und Organisationen gibt es europäische Anbieter wie Aki.io, die über eine zentrale Schnittstelle Zugang zu verschiedenen Open-Source-Modellen auf EU-Infrastruktur bereitstellen.

Eine Alternative ist Ecosia AI Chat, das KI-Modelle der Suchmaschinen Ecosia. Ecosia AI Chat greift auf die KI-Modelle anderer Anbieter wie ChatGPT zurück, leiten Anfragen aber anonymisiert weiter und ist dadurch datenschutzfreundlicher. Konkret werden Metadaten entfernt, Chatinhalte sind dadurch nicht mehr auf eine Person zurückführbar. Persönliche, finanzielle, gesundheitliche oder andere sensible Informationen im Chat werden aber an ChatGPT und Co. weitergeleitet. Bei den Antworten berücksichtigt die KI nachhaltige Aspekte. Ecosia sitzt in Deutschland, unterliegt also den europäischen Datenschutzrecht, und speichert selbst keine Chatinhalte. Außerdem betreibt es den KI-Chat nach eigenen Angaben mit erneuerbarer Energie.

Wie bei den meisten Alternativen zu marktdominierenden Anbietern bieten viele europäische Modelle weniger Funktionen. Außerdem antworten sie weniger personalisiert, weil sie weniger Daten sammeln und kein Profiling betreiben. Für alltägliche Anfragen reichen diese Modelle in der Regel aber aus.

Was sind schlechte Alternativen?

Immer mehr Menschen nutzen statt oder zusätzlich zu ChatGPT den KI-Chatbot Claude von Anthropic. Anthropic beschreibt sich selbst als ethisch verantwortungsvoller KI-Hersteller. Es hat deshalb einen Vertrag mit der US-Regierung abgelehnt, welche die Technologie unter anderem zur Überwachung der eigenen Bevölkerung nutzen wollte. Dass die USA Anthropics Technologie zur Massenüberwachung und teil-autonomer Tötung von Nicht-US-Bürger:innen einsetzen könnte, störte das Unternehmen allerdings nicht. Datenschutz bieten für Europäer:innen also weder ChatGPT noch Claude. Hinzu kommt, dass die Investoren von Anthropic unter anderem Amazon, Google und Microsoft sind. Jene Unternehmen, die in Europa gegen effektive Digitalregulierung lobbyieren.

Auch bei Perplexity gibt es datenschutzrechtliche Bedenken. Das US-Unternehmen ist auf schnelle und präzise Recherchen ausgelegt und liefert automatisch Quellenbelege mit den Antworten mit. Aber auch Perplexity sammelt nach eigenen Angaben Chatinhalte sowie Daten vom Gerät der Nutzer:innen. Die App verlangt zum Beispiel Zugang zu Standortdaten, Kamera, Mikrofon, Spracherkennung, Fotogalerie und sogar Kontakten. Als US-Unternehmen müssen auch Perplexity und Claude die gesammelten Daten im Zweifel an US-Behörden herausgeben.

[[Cloud:]] Cloud: Nextcloud statt Google Drive

Cloud-Speicher sind digitale Speicherorte. Fotos, E-Mails, Verträge, Rechnungen, Steuerunterlagen, Gesundheitsdaten, private Notizen und andere Dateien werden nicht lokal auf dem Computer oder Handy gespeichert, sondern auf einem externen Server abgelegt. Das ermöglicht einen Zugriff über verschiedene Geräte und dient oft als Backup, sollte ein Gerät verloren oder kaputt gehen. Sie sind zwar praktisch, bündeln aber sehr viele sensible Daten an einem Ort. 

„Wenn wir einen Cloud-Dienst nutzen, […] geben wir dabei Kontrolle und Verantwortung ab und müssen uns darauf verlassen, dass unsere Daten ausreichend geschützt werden“, schreibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Das ist bei US-amerikanischen Anbietern nicht immer der Fall. Cloud-Anbieter haben aus technischen Gründen Zugriff auf die Dateien von Nutzer:innen. Das ermöglicht Funktionen wie die Dateivorschau oder automatisch erscheinende Foto-Rückblenden. Aber auch diese Informationen können Unternehmen auswerten und für Werbezwecke nutzen. Durch den US-Cloud-Act können US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zu allen Informationen verlangen, die Cloud-Anbieter wie Google, Amazon Web Services (AWS) oder Apple gespeichert haben.

Digitale Grundrechte brauchen eine starke Stimme – deine Unterstützung macht sie hörbar.

Als gemeinnützige Organisation finanzieren wir uns durch Spenden. Hilf uns, Machtmissbrauch einzudämmen und digitale Souveränität zu stärken.

Was sind gute Alternativen?

Cloud-Anbieter, die in Deutschland und der EU sitzen und dort Daten verarbeiten, lassen sich besser rechtsstaatlich kontrollieren. Die schränken die Verarbeitung personenbezogener Daten stärker ein als bei vielen außereuropäischen Diensten. Aber auch bei europäischen Anbietern sollte darauf geachtet werden, inwieweit Anbieter Zugriff auf die Dateien haben.

Das deutsche Unternehmen Mailbox.org bietet neben einem E-Mail-Dienst auch eine Cloud an, die neben Daten auch E-Mails, Kalender und Kontakte umfassen kann. Für 3 Euro pro Monat erhält man 5 GB Drive-Speicher und 10 GB E-Mail-Speicher. Nutzer:innen können Dateien oder ganze Ordner über einen Gastzugang auch mit Nicht-Mailbox-Kund:innen teilen und gemeinsam bearbeiten. Außerdem kann man Daten verschlüsselt in der Cloud ablegen.

Eine weitere datenschutzfreundliche Alternative ist Nextcloud. Nextcloud ist keine einzelne Cloud wie Dropbox, sondern eine Open-Source-Software, die man selbst betreiben oder bei einem europäischen Hosting-Anbieter wie Hetzner Storage Share oder IONOS Managed Nextcloud nutzen kann. Nextcloud bietet neben einer Vielzahl von Funktionen auch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung und verschiedene Formen der Verschlüsselung.

Proton Drive ist ein Cloud-Speicher aus der Schweiz, der auf strikte Sicherheitsmaßnahmen wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzt. Proton selbst kann Dateien, Ordner und Dateinamen also nicht ohne Zustimmung der Nutzer:innen einsehen. 5 GB Speicherplatz gibt es gratis.

Was sind schlechte Alternativen?

Ein Wechsel zu Dropbox ist weniger empfehlenswert, denn auch Dropbox ist ein US-Unternehmen. Laut der Datenschutzerklärung werden die Daten der Nutzer:innen verarbeitet und in die USA übertragen. Auch Informationen wie Dateigröße, Upload-Zeitpunkt und Geräteinformationen können verarbeitet werden. Außerdem nutzt Dropbox „maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz und algorithmische Analyse“, um bessere „Inhalte vorzuschlagen und Erfahrung zu personalisieren“.

Mögliche Hürden bei der Umstellung

Bei Menschen, die bereits Cloud-Speicher nutzen, sind diese oft tief in den Alltag verflochten. Inhalte auf dem Handy werden automatisch in der Cloud gesichert, Kalender liegen in der Regel in der Cloud und man arbeitet dort mit anderen gemeinsam an Projekten. Es sammeln sich über die Zeit viele Daten an. Eine Umstellung ist bei den meisten Diensten technisch nicht schwierig, kann aber zeitaufwendig sein. Vor allem auf Google Drive oder Microsoft Office liegende Dokumente (z.B. doxc-Formate) lassen nicht immer verlustfrei übertragen. Gut übertragbar sind in der Regel PDF-Dateien und Open-Document-Formate (z.B. .odt und .ods).

Weitere Wege in die digitale Selbstbestimmung

Der vollständige Ausstieg aus Big Tech gelingt selten von heute auf morgen. Dafür sind die Dienste zu tief in Alltag, Arbeit und Kommunikation verankert. Aber es muss auch nicht alles sofort passieren. Schon einzelne Wechsel, etwa auf einen anderen Messenger, eine datenschutzfreundlichere Suchmaschine oder einen europäischen Cloud-Anbieter, verringern Abhängigkeiten und stärken die eigene Kontrolle über Daten. Digitale Selbstbestimmung beginnt also nicht mit dem perfekten System, sondern mit dem ersten Schritt.

Wir haben uns bei dieser Aufzählung auf Anwendungen konzentriert, die Menschen im Alltag häufig nutzen. Aber natürlich gibt es noch weitere Dienste, bei denen es sich lohnt, Alternativen auszuprobieren. Etwa bei Streaming-Angeboten für Musik und Film. Einen Blick auf mögliche europäische Social Media-Plattformen als Alternativen zu Instagram, TikTok und Facebook, haben wir bereits im Februar geworfen. Gründe, warum man X (ehemals Twitter) nicht mehr nutzen sollten, haben wir hier zusammengefasst. Außerdem haben wir Bedenken bezüglich eines Wechsels weg von X entkräftet und einen Leitfaden zum Wechseln verfasst.

Für eine größere Übersicht empfehlen wir die Webseite „European Alternatives“. Dort sammelt der österreichische Software-Entwickler Constantin Graf seit 20222 europäische Alternativen zu digitalen Produkten und Services. Auch die Initiative „Digital Independence Day“ bietet weitere „Wechselrezepte“, die auch kurze technische Anleitungen enthalten.

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Redaktion: Michael Kolain